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Ohne Prüfstand bist du kein richtiger Tuner!

Braucht man als guter Tuner unbedingt einen Leistungsprüfstand? Ein ganz klares Jein!

Wenn du den Beitrag „Trust me, I’m an engineer“ gelesen hast, weißt du bereits, wie die typische Arbeitsweise eines Tuners aussieht. Zusammengefasst: Man macht eine Eingangsmessung, um den Ist-Stand zu überprüfen, passt die Kennfelder an, macht erneut eine Messfahrt, analysiert die Messwerte und passt die Kennfelder wieder an. Das macht man so lange, bis das gewünschte Ziel erreicht ist.

Oder ganz plump gesagt: Fahren und messen, anhalten, Kennfelder ändern, wieder fahren, wieder anhalten usw.

Diese Methode hat sich bewährt und wird in ähnlicher Form auch bei den Herstellern angewendet. Die Applikateure der Hersteller arbeiten zwar auch auf Prüfständen, ein großer Teil ihrer Arbeit findet aber auf der Straße und bei Erprobungsfahrten unter realen Bedingungen statt. Einen Erlkönig hat doch fast jeder von uns schon einmal gesehen, oder? Dazu kommen die Erprobungsfahrten unter realen Bedingungen:

  • Sommererprobung: in Regionen mit hohen Außentemperaturen
  • Wintererprobung: in Regionen mit tiefen Außentemperaturen
  • Höhenerprobung: in Regionen in großer Höhe mit dünner Luft
  • Seelevel-Erprobung: auf Meereshöhe usw.

Man fährt das Auto unter diesen realen Bedingungen und stimmt es darauf ab.

Ein Leistungsprüfstand kann die reale Straße nie zu 100 % abbilden, also Temperaturen, Fahrtwind usw. Ein Prüfstand ist eine simulierte Umgebung. Da man mit so einem Fahrzeug auf der Straße oder Rennstrecke fährt, ist es natürlich sinnvoll, es auch unter realen Bedingungen abzustimmen. Ein Leistungsprüfstand bietet dem Kunden so gesehen erst einmal keinen Mehrwert.

Wieso macht ein Prüfstand für einen Tuner trotzdem Sinn?

Wie oben beschrieben: fahren, anhalten, fahren, anhalten usw. Das kostet sehr viel Zeit, man muss immer eine passende Parkmöglichkeit suchen und eine geeignete Teststrecke parat haben. Dazu kommen Fragen wie:

  • Was passiert, wenn beim Flashen etwas schiefgeht und das Steuergerät ausgebaut werden muss?
  • Was ist mit reinen Rennfahrzeugen ohne Straßenzulassung?
  • Was ist mit sehr leistungsstarken Fahrzeugen, die schon im dritten Gang sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen? Steht dafür eine geeignete Teststrecke zur Verfügung?

Für all diese Szenarien macht ein Leistungsprüfstand absolut Sinn. In der Regel stimmt man das Fahrzeug so gut wie möglich auf dem Prüfstand ab und macht die finale Abstimmung auf der Straße bzw. Teststrecke unter realen Bedingungen mit realem Fahrtwind. Für eine Stage 1 ist bei den meisten Fahrzeugen ein Prüfstand nicht unbedingt erforderlich.

Wenn Prüfstand, dann welcher?

Rolle oder Nabe, gebremst oder ungebremst? Möchte man nur die Leistung messen, reicht ein ungebremster Prüfstand. Möchte man unterschiedliche Lastzustände simulieren, sollte man einen gebremsten Prüfstand wählen.

Rollenprüfstand

Vorteile:

  • relativ geringer Platzbedarf in der Breite
  • Räder müssen nicht abgebaut werden

Nachteile:

  • Der Platz ist dauerhaft belegt, meistens ist der Prüfstand fest montiert.
  • Das Auto muss verzurrt werden, teilweise müssen dafür Teile am Auto entfernt werden.
  • Reifen können überhitzen und platzen.
  • Bei falscher Verzurrung kann das Auto vom Prüfstand fallen.
  • Reifen können nach einer langen Session beschädigt sein.
  • Beim Messen kann es zu Schlupf kommen.
Fahrzeug auf einem Rollenprüfstand mit Verzurrung und Gebläse

Nabenprüfstand

Vorteile:

  • Das Auto ist fest mit dem Prüfstand verbunden.
  • kein Schlupf
  • Das Auto kann nicht vom Prüfstand fallen.
  • Die Reifen werden nicht belastet.
  • Bei Nichtgebrauch kann er zur Seite geschoben werden.

Nachteile:

  • Die Räder müssen abgebaut werden.
  • Er benötigt in der Breite mehr Platz als ein Rollenprüfstand.
Fahrzeug mit direkt an den Radnaben angeschlossenem Nabenprüfstand

Und mobil?

Dann gibt es noch „mobile“ Varianten: ein kleines Gerät, das auf die Radnabe geklebt oder montiert wird und auf der Straße misst. Dafür muss das Auto gewogen und Umgebungsdruck und Temperatur gemessen werden. Eine Software berechnet aus diesen Daten die Fahrzeugleistung. Das kann eine sehr genaue Methode sein und hat sogar den Vorteil, dass unter realen Bedingungen gemessen wird.

Mobiles Leistungsmessgerät an der Radnabe für Messungen auf der Straße

Aber ein stationärer Prüfstand, egal ob Rolle oder Nabe, hat noch einen weiteren Vorteil: Man kann die Flammen hinter dem Auspuff besser sehen und ihre Länge „messen“ ;)

Fazit:

Ein Prüfstand ist ein Werkzeug welches die Arbeit erleichtern kann, wenn man weiß wie man es richtig einsetzt. Für die meisten Stage-1-Abstimmungen ist er tatsächlich nicht unbedingt nötig. Es gibt Tuner, die weltweit unterwegs sind und Fahrzeuge abstimmen, und auch ihnen steht nicht immer ein Prüfstand zur Verfügung. Für ein gutes Tuning kommt es also viel mehr auf die Fähigkeiten des Tuners an als auf den Prüfstand. Möchte man nur eine Vorher-Nachher-Leistungsmessung haben, ist ein mobiles Gerät eine sehr gute Alternative.